Als Initiative einiger engagierter Lehrer und Schülereltern des Ratsgymnasiums Minden wurde zu Beginn der 1980er Jahre auf dem ehemaligen Destillerieturm der Brennerei Strothmann am Weingarten eine Sternwarte aufgebaut und in Betrieb genommen. In den folgenden Jahren lernten Schüler hier praktische Grundlagen der Astronomie und Sternbeobachtung und projektorientiertes Denken und Arbeiten.

Nach vielen aktiven Jahren wurde der Betrieb um die Jahrtausendwende eingeschränkt, da die Beobachtungskuppel, das Gebäude selbst sowie die astronomischen Geräte dringend erneuert werden mussten. Im Jahr 2006 begannen Aktivitäten zur Wiederinbetriebnahme. Im Rahmen von Kooperationsprojekten mit dem Fachbereich Campus Minden der FH Bielefeld wurde mit der erfolgreichen Automatisierung des Kuppelantriebs die technische Machbarkeit einer Reaktivierung bewiesen. Vertreter aus den Bildungseinrichtungen sowie engagierte Eltern gründeten den Verein „Schulsternwarte Minden“, um in Schulen – aber auch in weiteren Bildungseinrichtungen wie der FH oder der VHS – astronomische Bildung praktisch erlebbar zu machen.

Eine vom Vereinsvorstand und dem Fachbereich Campus Minden begleitend erstellte Nutzungsanalyse zeigt jedoch, dass die Umsetzung des Projekts Schulsternwarte am inzwischen denkmalgeschützten Standort Weingarten durch die hohen Kosten eines aktualisierten Brandschutzes scheitern würde. Des Weiteren ergibt sich eine unklare Langfristperspektive für den gesamten Gebäudekomplex Weingarten der Stadt Minden.

Weniger Lichtverschmutzung

Selbst bei einer erfolgreichen Wiederinbetriebnahme wäre ein Sternwartenstandort in einem städtischen Ballungsraum wie Minden bedingt durch die dort herrschende Lichtverschmutzung nur eingeschränkt nutzbar. Sogenannte Deep-Sky-Beobachtungen (also die interessanten Nebel und Spiralgalaxien, welche in Veröffentlichungen gerne gezeigt werden) sind im Stadtbereich nicht durchführbar. Eine Stadtsternwarte muss sich auf die Planeten, den Mond und andeutungsweise wenige helle Nebel beschränken.

Als Konsequenz wurde ab 2018 zusammen mit dem Umweltamt der Kreisverwaltung Minden-Lübbecke die Suche nach einem Alternativstandort begonnen. Letztendlich zeigt sich ein kreiseigenes Grundstück nördlich des Hiller Badesees als besonders geeignet:  Deutlich weniger Lichtverschmutzung als am Weingarten, vorhandene Infrastruktur am Badesee (Toiletten, Strom, Parkplätze), gute regionale Erreichbarkeit von Minden sowie den Nachbargemeinden aus und die proaktive Unterstützung durch die Gemeinde Hille zeichnen diesen Standort aus.